CDU Gemeindeverband Ketsch

Verlässliche psychotherapeutische Versorgung muss sichergestellt bleiben

CDU-Landtagsabgeordneter Andreas Sturm informiert sich in Hockenheim über aktuelle Situation und Auswirkungen der Gesundheitsreform

Hockenheim. Die aktuelle Situation im Bereich der psychotherapeutischen Versorgung und die Auswirkungen der Gesundheitsreform standen im Mittelpunkt eines Gesprächs des CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Sturm mit Eric und Fabian Marquardt, die eine psychotherapeutische Praxisgemeinschaft für Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche in Hockenheim betreiben.

Foto (v.l.): Andreas Sturm MdL im Gespräch mit Eric und Fabian Marquardt (Foto: Melkus)Foto (v.l.): Andreas Sturm MdL im Gespräch mit Eric und Fabian Marquardt (Foto: Melkus)

Seit 1991 ist Diplom-Psychologe Eric Marquardt nun in einer Praxisgemeinschaft mit seiner Kollegin Frau Gisa Thewes in der Rennstadt vertreten. Fabian Marquardt kam 2018 als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut dazu und hat den Versorgungsauftrag seiner Kollegin Gisa Thewes 2024 übernommen, da Frau Thewes nach 35-jähriger Tätigkeit Ende 2026 in den Ruhestand gehen wird.

Das Einzugsgebiet der Praxis umfasst dabei auch die umliegende Region. Eines wurde in dem Gespräch deutlich: Der Bedarf für psychotherapeutische Behandlungen ist hoch und steigt seit Jahren stetig an. „Die Fallzahlen bei psychischen Erkrankungen nehmen zu. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sehen wir einen steigenden Bedarf für eine psychotherapeutische Versorgung. Insbesondere Depressionen und Angststörungen nehmen zu“, so Fabian Marquardt.

Psychische Erkrankungen seien die häufigste Ursache für stationäre Krankenhausaufenthalte bei Kindern und Jugendlichen. Störungen der Impulskontrolle, Hyperaktivität oder soziale Phobien – die Notwendigkeit für eine gute ambulante psychotherapeutische Versorgung sei evident. Bei Kindeswohlgefährdungen oder Suizidgefährdungen sei schnelles Handeln und Eingreifen gefragt. Hier arbeite man eng mit Behörden und psychiatrischen Einrichtungen zusammen. „Wir würden sehr gerne mehr Behandlungsplätze anbieten, um Menschen in psychischen Ausnahmesituationen schnell zu helfen. Aber unsere Kapazitäten sind beschränkt“, berichtete Eric Marquardt.

Es gebe eine Unterversorgung. Die Folge seien lange Wartezeiten, ein daraus erwachsender hoher Leidensdruck bei Betroffenen und Therapeuten sowie die Gefahr von Chronifizierungen. Das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz, welches vor Kurzem auf den Weg gebracht wurde, könnte nun die Situation verschärfen, befürchten die beiden Psychotherapeuten. Wie viele andere ihrer Kollegen kritisieren sie, dass nun innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung eine Budgetierung für psychotherapeutische Leistungen eingeführt werde. Somit könnten Praxen bei einem Anstieg der Fallzahlen nicht mehr ohne Weiteres zusätzliche Therapiestunden anbieten, da diese nicht vergütet werden. Hinzu käme die Problematik einer abnehmenden Zahl an Psychiatern.

„Dies alles wird eine Verschlechterung der psychotherapeutischen Versorgung für gesetzlich Versicherte in der Breite zur Folge haben. Und dies bei einer ohnehin angespannten Situation und einem steigenden Bedarf“, kritisiert Fabian Marquardt. Beide betonen dabei auch den volkswirtschaftlichen Nutzen einer guten und frühen psychotherapeutischen Betreuung bei Erkrankungen.

„Psychische Erkrankungen führen typischerweise zu langen Krankheitsausfällen. Es ist längst nachgewiesen, dass sich Investitionen in eine gute psychotherapeutische Versorgung ökonomisch auszahlen“, so Fabian und Eric Marquardt. „Das grundsätzliche Ziel der Reform, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung wieder mit den Einnahmen in Einklang zu bringen, ist richtig. Nur so können wir immer weiter steigende Beiträge verhindern, die die Menschen belasten und nicht tragbar sind. Aber wir müssen auch genau auf die Auswirkungen schauen und abwägen“, erklärte Sturm. Die ambulante Psychotherapie mache nur einen Bruchteil der Gesamtausgaben in der GKV aus.

„Bei psychischen Erkrankungen gilt: Lieber früh behandeln als spät reparieren. Wir dürfen Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – bei schweren psychischen Erkrankungen nicht allein lassen. Bei allem Kostendruck müssen wir eine verlässliche psychotherapeutische Versorgung und den steigenden Bedarf im Blick behalten“, so der Abgeordnete.

„Ich nehme die heute besprochenen Themen und Anliegen mit in den Landtag für die weiteren parlamentarischen Beratungen im Gesundheitsbereich“, so Sturm, der abschließend für den offenen Dialog dankte.